Mit dem Bau der Ungarischen staatseigenen Tolnauer Seidenspinnerei wurde auf die Veranlassung und bei aktiver Zusammenarbeit von Pál Bezerédj - Gutbesitzers in Komitat Tolna, Ministerialkommissars für Seidenzucht - im Jahre 1898 angefangen. Die betriebsmässige Produktion wurde 2 Jahre später eingeleitet, mit 120 Stk. Spinnstühlen, wobei 50 kg Reinseide pro Tag hergestellt wurde. Als Grundstoff dafür dienten die in Ungarn gezüchteten Seidenkokons, da durch die Aktivitäten der Familie Bezerédj das Komitat ein Zentrum für die Zucht von Seidenraupen und Kokons wurde. In der Geschichte der Seidenspinnerei Tolna brachte das Jahr 1918 eine wesentliche Änderung.

Die Fabrik wurde vom ungarischen Staat für 20 Jahren an die damals gegründete "Pacht-Aktiengesellschaft der Ungarischen Königlichen Seidenspinnereien" verpachtet, das die Einleitung neuer organisatorischen, Leitungs- und Wirtschaftsführungssysteme zur Folge hatte. Während dem Krieg wurde die Seidenspinnerei, im Jahr 1940, zum Kriegsbetrieb erklärt und wurde angeordnet, Seidengarn (Seidenzwirn) für31.000 m2 Fallschirme herzustellen. Damals wurde der Personalstand der Fabrik auf 750 Arbeitskräfte erhöht. Die Fabrik belieferte durch die erhöhte Produktion diverse Mengen an 40 in- und 2 ausländische Kunden.

In den Jahren nach 1945 gehörte die Seidenfabrik Tolna als Tochterfirma zu dem Ungarischen Seidenindustrie-Unternehmen. Bis zum Jahre 1970 wurde die Seidenherstellung nach und nach abgebaut, und letztendlich eingestellt. Damit paralell bildete sich das Gesicht der heutigen Produktion aus: Herstellung und Färbung texturierter Garne, technische Gewebeherstellung. Als Auswirkung der inneren wirtschaftlichen Umstände nach der Wende wurde der Betrieb auf die Veranlassung des Fachmanagements in eine selbständige Wirtschaftsgesellschaft umgewandelt. Seit dem 1. April 1991 war die Gesellschaft unter der Bezeichnung "Tolnatext Garnverarbeitungs- und Technisches Gewebeherstellungs- GmbH" tätig, wobei das Ungarische Seidenindustrieunternehmen 97%iger Eigentümer geblieben ist. Nach der Liquidierung der Ungarischen Seidenindustrieunternehmens im Jahre 1991 wurde eine Bewerbung für den Kauf der Geschäftsteile der Tolnatext GmbH ausgeschrieben. Ab 1. Juli 1995 befindet sich die Fabrik im Eigentum der deutschen Firma, Dr. Günther Kast GmbH.

Die Firma ist auch im weiteren und auch zur Zeit in drei grundsätzlichen Bereichen tätig: Herstellung und Färbung von texturierten Garnen, Färbung von Baumwollgarnen und Herstellung von technischen Geweben. Sowohl die Texturierung als auch die Herstellung von technischen Geweben sind alleinstehende Produktionstätigkeiten im Lande, von deren Produktion ca. 50% auf dem Exportmarkt abgesetzt werden. Sowohl die Produktions- als auch die Verkaufstätigkeit der Firma ist durch einen dynamischen Wachstum gekennzeichnet. Auf dem Gebiet der Fabrik ist die "Gedenkstube" zu finden, mit wertvollen industriegeschichtlichen Andenken. Diese Ausstellung über die Geschichte der Seidenfabrik wurde im Jahr 1975, zum fünfundsiebzigjährigen Bestehen der Fabrik, eröffnet. Sie ist auch zur Zeit den Besuchern vorhanden. Hier ist zu sehen, wie sich die am aussländischen Märkte eingeschriebene Tolnatext aus dem 100-jährigen Vergangenheit ernährt.

zurück zu Hauptseite